TAG DER ERDE
An diesem Tag
dem ersten von neuen Tagen
die den alten nicht gleichen
an diesem Tag der Erde
spüre ich das Pochen des Pulses
einer dunklen Frau im Süden
die ein Hirsekorn
in den Boden ihres Gefängnisses sät
An diesem helldunklen Morgen
an dem die Sonne aufgeht
über dem alten Planeten
wie zum erstenmal
höre ich im Osten
den ersten Schrei eines Neugeborenen
dem aus unseren Händen
die Erde aufgehn wird
An diesem flimmernden Mittag
an dem das Licht steil
die Wipfel der Bäume
und unsere Köpfe trifft
weiß ich im Westen
Kinder von Wurzeln, Wassern
und Delphinen lernen
An diesem Abend
der nicht der Tod des Tags ist
sondern das Lachen des ersten Sterns
an diesem Feier-abend der Erde
tragen mir Trommeln
die Nachricht eines neuen Tanzes zu:
im Norden beginne
ein weißer Mann
am Feuer aus Rüstungsplänen
über seinen Schatten zu springen
In dieser Nacht
der ersten von neuen Nächten
die die Erdfinsternis wenden
in dieser Nacht der Erde
geht der Mond auf wie ein Hirsekorn
werden die Gestirne
in unsere Herzen gesät
beginnt im Dunkel des Kosmos
dieser dämmernde Planet
vom Samen
unserer widerstehenden Hoffnung
zu leuchten
Birgit Berg
©Wortwerkstatt Poesie & Politik
birgitberg@bigfoot.de
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